"Strebe weise zu sein, nach richtigem Denken zu handeln, denn es gehet der Tat stets der Gedanke voraus. "

[Friedrich Wilhelm Adami, (1816 - 1893), deutscher Schriftsteller]
Ritterliche Tugenden
Ritterliche Tugend in MhdFechterisches equivalentModerne Interpretation
Sin (Sinn, Verstand) Strategisches und taktisches Denken und Handeln

Klugheit/Weisheit (lat. prudentia / sapientia)
· Weisheit ist eine Frage von Wissen "wie auch" der Bereitschaft zu Fragen.
· Weisheit beruht auf Lebenserfahrung und schon bewältigten Problemen.
· Weisheit hilft uns, unser Leben in den Griff zu kriegen und Antworten zu finden.
· Weisheit ist eine Frage von Urteilsvermögen, Werten und Prioritäten.
· Einzelne Menschen können weise sein, aber auch die Ergebnisse von Gruppen.

"Denn es ist nicht genug, einen guten Kopf zu haben;
die Hauptsache ist, ihn richtig anzuwenden."
René Descartes (1596-1650)
Mâze (Maß halten) Körperkoordination / Harmonie von Körper + Geist Mass (lat. temperantia)
Eher alltagssprachlich weise: "Das Mass halten", "die goldene Mitte" etc. Bei dieser Tugend geht es darum, in allem den richtigen Mittelweg zu finden. Das Gegenteil dieser Tugend wäre also einfach gesagt die Übertreibung Das Maßhalten zählt zu den Kardinaltugenden, weil sie eine notwendige Eigenschaft für alle anderen Tugenden darstellt. Jede Tugend kann durch Maßlosigkeit oder Übertreibung zur Untugend werden. Ebenso kann jede Tugend zur Bedeutungslosigkeit herabsinken, wenn man sie zuwenig beachtet. Das richtige Maß jedoch verleiht den Tugenden erst den wahren Glanz und ewigen Bestand.
Zuht (angemssenes Verhalten) Fairness, Respekt und Wertschätzung des Partners Gerechtigkeit (lat. justitia)
Ursprüngliche Bedeutung "angemessen, richtig". Gerechtigkeit wird heute, oft als Versuch definiert, jedermann fair und moralisch angemessen zu behandeln. Sprichwörtliche Form des kategorischen Imperativs: "Was Du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu."
Manheit (Mannhaftigkeit) Entschlusskraft und Mut Tapferkeit (lat. fortitudo)
Tapferkeit zeigt sich in dem Willen, ohne Garantie auf die eigene Unversehrtheit einen physischen oder mentalen Konflikt durchzustehen. Aristoteles definiert Tapferkeit als Mitte zwischen "Tollkühnheit" und "Feigheit".
hoher muot (hoher Mut) Selbstbewusstsein Das Selbstbewusstsein ist eine zentrale Eigenschaft des Charakters, die über die Stärke der Persönlichkeit und den Grad an innerer Freiheit entscheidet:
· Selbstsicherheit oder selbstsicheres Auftreten nennt man eher die äußeren Aspekte, bezieht sich also vorrangig auf das Verhalten.
· Als Selbstvertrauen oder (innere) Souveränität bezeichnet man das subjektive Empfinden, das hinter dem sichtbaren Auftreten steht.
· Charisma oder Ausstrahlung nennt man die Wirkung des Selbstbewusstseins auf andere.
· Selbstbewusstsein heißt schließlich das Ergebnis des eigenen Nachdenkens über die eigene Selbstsicherheit und das dahinter stehende Selbstvertrauen.
arebeit (Arbeit/Fleiß) Selbstdisziplin/Fleiß Persönliche Weiterentwicklung/Weiterbildung Selbstmanagement
Das Wort Fleiß kommt vom german. Kampfeseifer (oder Streit) und bedeutet arbeitsame Zielstrebigkeit.
Selbstdisziplin ermöglicht das Erreichen eines Ziels unabhängig von der momentanen emotionalen Verfassung.
Die fünf Säulen der Selbstdisziplin (nach Steve Pavlina):
· Akzeptanz
· Willenskraft
· Schwerstarbeit
· Fleiß
· Ausdauer
schAne (Schönheit) Harmonie v. Körper und Geist Schönheit und Ästehtik als äußeres Zeichen innerer Tugend. Das Ideal von körperlicher und geistiger Vollkommenheit. Wir sind körperliche Wesen Körperlicher Müßiggang ist nicht vorgesehen, bringt den Stoffwechsel des Gehirns ins Stocken und begünstigt den Ausbruch von Krankheiten.

"mens sana in corpore sano" (sit), "In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist"
Decimus Iunius Iuvenalis römischer Satirendichter (ca. 60-130 n. Chr)
art(adel/edle Herkunft) Vorbildliches Verhalten vor allem als Leitbild für neue Fechter Vorbild, Leitbild
· Orientierungsfunktion: Werte, Normen, Regelungen und Paradigmen
· Integrationsfunktion: Wir-Gefühl - also die Corporate Identity, Kommunikationsstil
· Entscheidungsfunktion: Regeln für das Krisenmanagement, Entscheidungsspielraum
· Koordinierungsfunktion: Mitarbeiter, Führungskräfte, Mediation, Öffentlichkeitsarbeit

Wer bestimmte Werte von seinen Mitmenschen einfordert muss Sie selber aktiv vorleben.
stæte(Beständigkeit) Wahrhaftigkeit Wahrhaftigkeit
"Tatsächlich aber ist es die Ehrfurcht, die wir unserem eigenen Dasein entgegenzubringen haben, die uns anhält, uns immer selber treu zu bleiben, indem wir auf jede Verstellung, von der wir in dieser oder jener Lage Gebrauch gemacht hätten, verzichten, und im Kampfe, durchaus wahrhaftig zu bleiben, nicht erlahmen." (Albert Schweitzer)
Ehrlichkeit erzeugt Respekt!
êre (Ehre) Ehre Ehre im positiven Sinne ist immer mit dem Gewissen verbunden: Es ist unter meiner Würde, gegen mein Gewissen zu handeln. Es ist unter meiner Würde, Unrecht mit Unrecht zu vergelten. Der Begriff Ehre besagt schlicht, dass unsere Handeln unsere eigene Persönlichkeit, uns selbst beeinflusst. Deshalb lohnt es, sich selbst treu zu bleiben, selbst wenn es dafür keinen sichtbaren Lohn gibt.
"So viele Weichen, so viele Kreuzungen, so viele Lichter, so viele Signale und doch treu bleiben meinem Weg, mir selbst, dem Ziel und dir. Es ist die Treue, die mich und dich zum Ziele führt."(Duc de La Rochefoucauld, (1613 - 1680))
triuwe (Treue) Treue Loyalität
Der Begriff der Loyalität wird vorwiegend im Zusammenhang mit Dienstverhältnissen verwendet, in Bereichen also, wo sich ein Arbeitgeber bzw. Dienstherr auf die Treue seines Mitarbeiters verlassen können muss, weil er nicht jede einzelne Anweisung detailliert erklären kann.Vorgesetzter und Mitarbeiter sind hierbei in einen gemeinsamen ethischen Kontext eingebunden; der Treuepflicht des Mitarbeiters entspricht eine Fürsorgepflicht des Vorgesetzten. Durch die Verankerung in einem übergeordneten Wertesystem sind auch Auswüchse wie Kadavergehorsam ausgeschlossen; insbesondere rechtfertigt dies das Recht und sogar die Pflicht des Mitarbeiters zur Untreue, also zum Ungehorsam, sofern die Ausführung von Anweisungen übergeordnete Werte verletzen würde. Untreue im Sinne strafrechtlichen Eigennutzes ist selbstverständlich nie gestattet.
milte (Milde) Partnerschaftliches Verhalten/ Teamgeist Großzügig über störende Dinge hinwegsehen und mit Schwächen umgehen. Christlich: Großzügigkeit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe.
Selbstloses Eintreten für Andere ohne Rücksicht auf deren soziale Stellung oder Verdienste ist keine Begleiterscheinung des Mitleids, sondern eine die fremde Person als etwas Wertvolles intendierendes Fühlen und Streben, ein von Wohlwollen bestimmtes Bezogensein auf den anderen Menschen.
höveschkeit (verhalten am Hof) Höflichkeit Die Höflichkeit ist eine Tugend, deren Folge eine höfliche Verhaltensweise ist, die den Respekt vor dem Gegenüber zum Ausdruck bringen soll. Der Höfliche kommt dem Fremden mit Zeichen von Achtung und Wohlwollen entgegen und erklärt damit, daß er mit ihm auf einen friedlichen und freundlichen Verkehr einzugehen bereit sei.
dienest (Dienstbereitschaft) Verantwortungsbewusstsein Verantwortung stellt das menschliche Handeln in kausale Zusammenhänge. Innerhalb eines Verantwortungsbereiches folgen aus dem Handeln Konsequenzen in Gestalt von Erfolg, Misserfolg, Ruhm oder Schuld. Verantwortung ist außerdem etwas Begleitendes, man spricht vom Verantwortungsgefühl, sowie etwas Vorauslaufendes - wer sich mit einer Aufgabe betrauen lässt, übernimmt die Verantwortung für eine absehbare Zukunft.
vröude (Freude) positives Denken Positives Denken heißt dem Grunde nach, seine Umwelt und seine Mitmenschen in einem positiven Licht zu sehen. Positives Denken heißt auch, eine positive Erwartungshaltung gegenüber den zukünftigen Geschehnissen einzunehmen.Denn positive Gedanken sind für den allgemeinen Zustand eines Menschen extrem wichtig. Sie haben daher nicht nur direkte Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden, sondern können auch positiven Einfluss auf Gesundheit und Körper nehmen.
diemüete (Demut) Selbstkritisch, Bescheiden, Reflexion des eigen ich Reflexion/Demut ist eine unscheinbare und kleine Tugend, die aber täglich unzählige Male geübt werden kann. Am besten übt man sie, wenn man schlicht und einfach bei der Wahrheit bleibt: Ich bin so wie ich bin, nicht mehr und nicht weniger. Die Übung der Demut darf nie zur Selbstverachtung und zum völligen Misstrauen gegen sich selbst führen.Menschen, die ihre Schwächen kennen und als Teil ihrer Persönlichkeit akzeptieren, werden kritikfähiger und unabhängiger von der positiven Bewertung durch andere.
Ritterliche Bildung
Die Bildung und Ausbildung eines Ritters umfasste auch einen Siebensäuligen Kanon die "septem probitates" sieben Tüchtigkeiten, die im Gegensatz zu den "septem artes liberales", den sieben freien Künste, der Klosterschulen standen.
septem artes liberales
(sieben freien Künste)
  • Grammatik
  • Rhetorik
  • Dialektik
  • Geometrie
  • Arithmetik
  • Musik
  • Astronomie
  septem probitates
(sieben Tüchtigkeiten)
  • Schwimmen
  • Reiten
  • Bogenschießen
  • Fechten
  • Jagen
  • Schach spielen
  • Verse machen
Ablauf
Mit sechs Jahren kamen adlige Knaben an einem fremden Hof als Pagen in Obhut eines Ritters oder seiner Frau. Die Erziehung zu den Tugenden des Ritterstandes wurde unterstützt von Klerikern, Zuchtmeistern, Spielleuten und Hofdamen.

Mit 14 Jahren wurde der Page zum Knappen - Es begann die Ausbildung in militärischen Tugenden - ungeeignete (also unsportliche) Knaben schlugen jetzt die geistliche Laufbahn ein.

Nach ca. sieben Jahren kam der Abschluss mit der Ritterweihe (Schwertleite, Ritterschlag). Dies war oft sehr kostspielig und so blieben viele ihr Leben lang lieber Edelknechte.

Kardinaltugenden am Grab des Papstes Clemens II. * 1005; † 1047, Papstgrab im Bamberger Dom



Herr Hartmann von Aue (fiktives Autorenporträt im Codex Manesse,
fol. 184v,um 1300, Epiker der mittelhochdeutschen Klassik um 1200 Verserzählungen Erec, Gregorius oder Der gute Sünder,
Der arme Heinrich, Iwein,)



Ritter, Tod und Teufel, Albrecht Dürer, 1513,
Der Ritter steht für die vita activa, der edelmütige Kämpfer, der Teufel und Tod die Stirn bietet. Auch wenn die eigentliche Zeit des Rittertum zur Zeit Dürers bereits abgelaufen war, blieb die Vorstellung von ritterlichen Idealen lebendig.